Warum sollte man ein Stromaggregat aus der Ferne überwachen?
Ein Notstromaggregat ist per Definition ein Gerät, das genau in dem Moment in Betrieb gehen muss, in dem alles andere ausfällt. Ein Aggregat, das bei einem Stromausfall nicht anspringt, hat seine Aufgabe nicht erfüllt – was potenziell schwerwiegende Folgen haben kann (Krankenhaus, Rechenzentrum, Pumpstation, Telekommunikationsmast).
Paradoxerweise gehören Notstromaggregate oft zu den am wenigsten überwachten Anlagen: Sie befinden sich in Technikräumen, werden selten in Betrieb genommen, und ihr Ausfall wird erst beim nächsten Stromausfall entdeckt. Die Fernüberwachung verändert diese Situation grundlegend.
Überwachte Schlüsselparameter
Elektrik (Lichtmaschine)
- Spannung pro Phase (L1, L2, L3): Erkennung von Unsymmetrie oder Unter-/Überspannung
- Strom pro Phase: Erkennung von Überlastung oder Lastasymmetrie
- Frequenz: 50 Hz ± 2 % für empfindliche Anwendungen
- Wirkleistung (kW) und Blindleistung (kVAR): Lastüberwachung
- Erzeugte Energie (kWh): Abrechnung oder Berichterstellung
Dieselmotor
- Kraftstoffstand (Liter und %) mit Berechnung der Reichweite
- Öldruck (bar): Alarm bei Unterschreitung des Mindestwerts
- Kühlmitteltemperatur (°C): Überhitzungsalarm
- Spannung der Starterbatterie (V): defekte Batterie = Motor springt nicht an
- Motordrehzahl: Überprüfung des Drehzahlanstiegs
Steuerung und Regelung
- Betriebsart (Automatik / Manuell / Aus)
- Status der Netz-/Gruppenschaltung (ATS-Position)
- Alarmcodes der Steuerung (über Modbus)
- Verlauf der Starts und Laufzeiten
Überwachungsarchitektur für einen Aggregatpark
| Komponente | Funktion |
|---|---|
| Feldsensoren | Messung von Kraftstoffstand, Strom und Temperatur |
| Aggregat-Steuergerät (DSE/ComAp) | Zentralisiert die Messwerte von Motor und Lichtmaschine |
| 4G-IoT-Gateway | Liest die Daten des Steuergeräts über Modbus aus und überträgt sie in die Cloud |
| Cloud-Plattform | Dashboards, Warnmeldungen, Berichte, Fernsteuerung |
| Bereitschaftsdienst | Erhält bei Störungen Warnmeldungen per SMS/E-Mail |
Anwendungsfall: Telekommunikationsstandorte mit mehreren Betreibern
Die Funkbasisstationen (BTS, NodeB, eNodeB) sind grundsätzlich mit einem Notstromaggregat ausgestattet, um im Falle eines Stromausfalls die Kontinuität des Dienstes zu gewährleisten. Ein nationaler Telekommunikationsanbieter betreibt Tausende von Standorten unter strengen Auflagen:
- Kraftstoff: Manche Anlagen verbrauchen 15 bis 20 l/h und können innerhalb von 24 Stunden leer sein, wenn der Stromausfall länger andauert.
- Starterbatterie: Ausfall bleibt bis zum nächsten Stromausfall unbemerkt.
- Regelmäßige Prüfungen: In den Leistungsbeschreibungen vorgeschrieben, jedoch oft unzureichend dokumentiert.
Dank der zentralen Überwachung kann ein Team von 3 bis 5 Mitarbeitern mehr als 500 Standorte überwachen und gezielte Kraftstoffnachfüllungen nur dort veranlassen, wo sie tatsächlich erforderlich sind, anstatt systematische Rundgänge durchzuführen.
Warnmeldungen und Eskalationen
Ein gut konfiguriertes Warnsystem unterscheidet zwischen:
- Warnung: Kraftstoffstand bei 60 %, Batterie bei 24 V (Spannung normal, aber zu überwachen).
- Alarm: Kraftstoffstand bei 30 %, Aggregat im leichten Alarmzustand (Pikettdienst benachrichtigt).
- Kritischer Alarm: Aggregat springt nicht an, Kraftstoffstand bei 10 %, Motortemperatur > 100 °C (automatischer Anruf beim Nachtdienst).
- Eskalation: Wenn der Bereitschaftsdienst nicht innerhalb von 15 Minuten antwortet, wird der technische Leiter benachrichtigt.