Cybersicherheit in der industriellen Steuerung (OT): Überblick über die Bedrohungen für die französische Industrie im Jahr 2026
Industrielle Systeme sind zum vorrangigen Ziel von Cyberkriminellen geworden. Im Jahr 2025 betrafen 68 % der bei der ANSSI gemeldeten Cybersicherheitsvorfälle OT-Systeme (Operational Technology), gegenüber 41 % im Jahr 2022. Die zunehmende Vernetzung von IT- und OT-Netzwerken, die durch Industrie 4.0 beschleunigt wird, hat die Angriffsfläche von Fabriken, Kraftwerken und Wasserversorgungsnetzen erheblich vergrößert.
Dieser Leitfaden stellt die wichtigsten im Zeitraum 2025–2026 identifizierten OT-Bedrohungen, die am stärksten gefährdeten Branchen in Frankreich sowie konkrete Maßnahmen zur Verringerung Ihres Risikos vor.
Warum OT-Systeme zur Zielscheibe Nummer 1 geworden sind
Jahrzehntelang wurden industrielle Systeme durch den Air Gap geschützt: ihre vollständige physische Isolierung von IT-Netzwerken und dem Internet. Dieser natürliche Schutz ist mit der Digitalisierung der Industrie verschwunden.
Die Faktoren, die den Ausschlag gegeben haben:
- Konvergenz von IT und OT: Steuerungen, SCADA-Systeme und Sensoren sind nun zur Fernüberwachung mit ERP- und MES-Systemen sowie der Cloud verbunden
- Lebensdauer der Anlagen: Eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) hat eine Lebensdauer von 15 bis 25 Jahren. SPS, die zwischen 2005 und 2010 installiert wurden, laufen oft mit veralteten Betriebssystemen (Windows XP, CE), für die kein Support mehr angeboten wird
- Protokolle ohne integrierte Sicherheit: Modbus, DNP3, Profibus und BACnet wurden auf Zuverlässigkeit ausgelegt, nicht auf Sicherheit. Sie unterstützen weder Authentifizierung noch Verschlüsselung
- Begrenzte Ressourcen: Eine SPS oder RTU verfügt nicht über die Rechenleistung, um ein Antivirenprogramm oder moderne kryptografische Algorithmen auszuführen
- Langsamer Update-Zyklus: Das Aufspielen eines Patches auf eine SPS kann einen geplanten Produktionsstillstand erfordern – viele Unternehmen verschieben Updates über Jahre hinweg
Folge: OT-Systeme weisen eine Vielzahl unbehobener Sicherheitslücken, unsichere Protokolle und eine zunehmende Netzwerkexposition auf. Für einen Angreifer sind sie damit ein ideales Ziel.
Die 6 größten OT-Bedrohungen im Jahr 2026
1. Ransomware für industrielle Steuerungssysteme (ICS-Ransomware)
Ransomware ist nach wie vor die größte Bedrohung. Doch in den Jahren 2025–2026 haben cyberkriminelle Gruppen speziell auf industrielle Systeme zugeschnittene Varianten entwickelt, die in der Lage sind:
- Verschlüsselung der SCADA-Konfigurationsdateien (Projekte von Wonderware, Ignition, Siemens TIA Portal)
- SPS-Parameter ändern, um zusätzlich zur Verschlüsselung einen physischen Ausfall zu verursachen
- OPC-UA- und Modbus-TCP-Schnittstellen ausnutzen, um sich seitlich im OT-Netzwerk auszubreiten
In Europa aktive Gruppen: LockBit 3.0, BlackCat/ALPHV, Play und Cl0p haben alle in den Jahren 2024–2025 französische Branchen ins Visier genommen. Auf das verarbeitende Gewerbe entfallen 28 % der Ransomware-Opfer in Europa.
Durchschnittliche Auswirkungen eines industriellen Ransomware-Angriffs:
- Produktionsausfall: 12 bis 21 Tage
- Gesamtkosten (Lösegeld + Wiederherstellung + entgangener Gewinn): 2,5 bis 8 Mio. € für ein kleines und mittleres Industrieunternehmen
- Lösegeldzahlungsquote: 42 % der Industrieunternehmen zahlen (gegenüber 30 % aller Branchen)
Häufigste Angriffsvektoren:
- Kompromittiertes VPN ohne MFA durch Credential Stuffing
- Fernzugriff von Wartungsdienstleistern (TeamViewer, AnyDesk) mit gemeinsam genutzten Zugangsdaten
- Gezieltes Phishing gegen Ingenieure mit Zugriff auf OT-Systeme
- Ausnutzung von Schwachstellen in HMI (Human-Machine Interface), die im Internet exponiert sind
2. Angriffe auf Steuerungsgeräte (SPS/RTU)
SPSen stehen nun direkt im Visier. Bei den raffiniertesten Angriffen wird die Programmlogik (Firmware oder Ladder-Logik) verändert, um:
- Unbeabsichtigte Notabschaltungen auslösen
- Anlagen außerhalb ihrer normalen Betriebsbereiche betreiben
- Die Istwerte vor den Bedienern verbergen (Manipulation der Überwachungsdaten)
Von der ANSSI identifizierte wiederkehrende Sicherheitslücken (2024–2025):
| Hersteller | Art der Sicherheitslücke | CVE |
|---|---|---|
| Siemens S7-1500 | Pufferüberlauf im Modbus-TCP-Server | CVE-2023-46156 |
| Schneider Electric M340 | Fehlende Authentifizierung am FTP-Port | CVE-2024-8935 |
| Rockwell Automation ControlLogix | RCE über EtherNet/IP ohne Authentifizierung | CVE-2024-6077 |
| Mitsubishi MELSEC iQ-R | Denial-of-Service durch fehlerhafte Pakete | CVE-2024-7419 |
| Wago 750 Series | Standard-Anmeldedaten nicht geändert | CVE-2023-4156 |
Wichtige Präventivmaßnahme: Isolierung der Steuerungsgeräte in dedizierten VLANs, Verbot direkter Verbindungen aus dem IT-Netzwerk, Einsatz industrieller DMZs gemäß der Purdue-Architektur.
3. Angriffe auf ungesicherte Industrieprotokolle
Modbus, DNP3, BACnet und Profinet wurden in den 1970er- bis 1990er-Jahren mit dem Ziel entwickelt, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit zu gewährleisten. Keines dieser Protokolle verfügt über eine native Authentifizierung. Jedes Gerät im selben Netzwerk kann:
- Alle Register einer Modbus-Steuerung ohne Einschränkungen lesen
- Werte ohne Authentifizierung in Spulen und Register schreiben
- DNP3-Befehle an Strom- oder Wasserversorgungsanlagen senden
Typischer Angriff: Ein Angreifer, der Zugriff auf das OT-Netzwerk erhält (über ein kompromittiertes VPN, einen infizierten Wartungsrechner oder ein physisch angeschlossenes Kabel), kann Modbus-Befehle direkt an die Steuerung einer Pumpe oder eines Kompressors senden.
Abwehrmaßnahmen:
- Einsatz von industriellen Gateways mit Anwendungsfirewall, die unbefugte Modbus-Schreibbefehle blockieren (Whitelist für Quell-IP-Adressen und Funktionscodes)
- TLS-gegenseitige Authentifizierung für die OPC-UA-Kommunikation implementieren
- Die Modbus-Kommunikation überwachen, um ungewöhnliche Funktionscodes zu erkennen (FC05/FC06/FC15/FC16 außerhalb der Wartungsfenster)
4. Angriffe auf HMI- und SCADA-Schnittstellen
Mensch-Maschine-Schnittstellen (MMS) und SCADA-Server sind oft die Schwachstellen, denn:
- Sie laufen unter Windows Server (2012, 2016 oder sogar 2008), der nur selten aktualisiert wird
- Sie sind über die IT-Netzwerke zur Produktionsüberwachung zugänglich
- Sie verfügen über integrierte Webserver für den Fernzugriff (oft ohne MFA)
Häufiges Angriffsszenario:
- Der Angreifer kompromittiert einen IT-Rechner mittels Phishing
- Netzwerkscan → entdeckt einen Wonderware-SCADA-Server auf Port 80
- Ausnutzung einer Web-Schwachstelle oder von Standard-Anmeldedaten
- Zugriff auf die Produktionsüberwachung → Änderung der Alarmschwellenwerte, um eine Anomalie zu verschleiern
- Verbreitung von Ransomware vom SCADA-Server auf das übrige OT-Netzwerk
Faktencheck 2025: Die Plattform Shodan listet in Frankreich mehr als 15.000 industrielle Benutzeroberflächen auf, auf die direkt über das Internet zugegriffen werden kann, davon etwa 3.400 ohne konfigurierte Authentifizierung.
5. Angriffe auf die Lieferkette (Supply Chain OT)
Die Bedrohung durch OT-Supply-Chain-Angriffe nimmt stark zu. Dabei wird Hardware, Software oder ein Dienstleister kompromittiert, bevor diese beim Endnutzer ankommen.
Identifizierte Vektoren:
- Schädliche Firmware in importierten (überwiegend aus Asien stammenden) industriellen Routern oder IoT-Gateways, die Hintertüren enthalten
- Kompromittierte Software-Updates für SCADA-Software oder Bibliotheken mit industriellen Protokollen
- Wartungsdienstleister, die mit ihren eigenen Geräten (USB-Sticks, Laptops) von anderen infizierten Kundenstandorten aus auf das OT-Netzwerk zugreifen
- Integration von Komponenten von Drittanbietern in SPSen (Kommunikationskarten, Industriemodule) mit ungeprüfter Firmware
Unmittelbar damit verbundene NIS2-Anforderungen: Artikel 21 der NIS2-Richtlinie schreibt ausdrücklich vor, dass wesentliche und wichtige Stellen Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Lieferkette ergreifen müssen.
6. Interne Bedrohungen (Insider)
Interne Bedrohungen werden in der Branche oft unterschätzt. Sie betreffen:
- Unzufriedene Mitarbeiter mit Zugriff auf Kontrollsysteme
- Subunternehmer mit permanenten Fernzugriffen, die nach Beendigung des Auftrags nicht deaktiviert wurden
- Vorsätzliche Sabotage kritischer Systeme (dokumentierte Fälle im Wasser- und Energiesektor)
Statistiken 2024 (Verizon DBIR-Bericht): Bei 18 % der OT-Vorfälle ist ein interner Akteur oder ein kompromittierter vertrauenswürdiger Dienstleister beteiligt.
Kernmaßnahme: Zero-Trust-Zugriff – jeder Zugriff muss authentifiziert (MFA), zeitlich begrenzt und protokolliert werden. Ein Auftragnehmer darf niemals einen dauerhaften, uneingeschränkten Zugriff haben.
Die am stärksten betroffenen Branchen in Frankreich
1. Wasser und Abwasserentsorgung
Der Wassersektor ist laut ANSSI und Europol das Hauptziel von OT-Angriffen. Die Gründe:
- Kritische Infrastruktur mit direkten Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit
- Veraltete Systeme (viele Sofrel-RTUs aus den Jahren 2000–2010)
- Personal, das oft nur unzureichend in Cybersicherheit geschult ist
- Begrenzte IT-/OT-Budgets in den Kommunen
Referenzvorfall: Im Februar 2021 manipulierte ein Angreifer über einen ungesicherten TeamViewer-Zugang den Natronlauge-Gehalt in einer Wasseraufbereitungsanlage in Florida. Ein aufmerksamer Bediener erkannte die Anomalie rechtzeitig. Ein Angriff dieser Art ist auf jedem Wasser-SCADA-System möglich, das nicht über strenge Zugriffskontrollen verfügt.
In Frankreich stuft die NIS2-Richtlinie Wasserversorger, die mehr als 10.000 Einwohner versorgen, als kritische Einrichtungen ein, für die seit dem 17. Oktober 2024 verschärfte Cybersicherheitsauflagen gelten.
2. Energie und Stromnetze
Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur (Erzeugung, Übertragung, Verteilung) haben sich in Europa seit 2022 verdreifacht. Verteilernetzbetreiber (VNB), Erzeuger erneuerbarer Energien und Industriestandorte mit Umspannwerken sind davon betroffen.
Betroffene Protokolle: IEC 60870-5-101/104, IEC 61850 GOOSE, DNP3 – alle ohne native Authentifizierung in ihren Basisversionen.
3. Pharma- und Lebensmittelindustrie
In diesen Branchen gelten strenge Vorschriften (FDA 21 CFR Part 11, EU-GMP Anhang 11) in Verbindung mit kritischen OT-Systemen. Eine Kontamination eines Herstellungsprozesses durch Manipulation von Steuerungen kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Angriffe, die auf die Unterbrechung der Produktion abzielen (Wettbewerbssabotage), nehmen in diesen Branchen mit hoher Wertschöpfung zu.
4. Kommunen und Smart Cities
Smart Cities setzen in großem Umfang Sensoren, Aktoren und IoT-Gateways ein, oft mit unzureichenden Sicherheitsbudgets. Die Straßenbeleuchtung, das Parkraummanagement und die städtischen Verkehrssysteme sind mittlerweile alle vernetzt – und potenziell angreifbar.
Die 10 wichtigsten Maßnahmen zur Absicherung Ihres OT im Jahr 2026
Stufe 1: Grundlagen (sofort zu erledigen)
1. Bestandsaufnahme aller OT-Assets Was Sie nicht kennen, können Sie nicht schützen. Erfassen Sie alle Steuerungen, SCADA-Systeme, HMIs, Gateways und Netzwerkgeräte mit ihren Betriebssystemen, Firmware, Protokollen und Verbindungen. Verwenden Sie passive Erkennungstools (Nozomi Networks, Claroty, Dragos), die das OT-Netzwerk nicht stören.
2. IT/OT-Netzwerksegmentierung Trennen Sie Ihr OT-Netzwerk mithilfe einer industriellen Firewall oder einer dedizierten DMZ vom IT-Netzwerk. Die Purdue-Architektur (Ebenen 0 bis 5) gilt nach wie vor als Maßstab. Als Mindestanforderung gilt: Jede direkte Kommunikation zwischen Desktop-PCs und Feldsteuerungen muss unterbunden werden.
3. Abschaffung ungesicherter Fernzugriffe Überprüfen Sie alle bestehenden Fernzugriffe (VPN, TeamViewer, AnyDesk, RDP). Deaktivieren Sie diejenigen, die nicht unbedingt erforderlich sind. Führen Sie für berechtigte Zugriffe die MFA ein und beschränken Sie die Zugangszeiten.
4. Ändern der Standard-Anmeldedaten Alle Geräte (SPS, Switches, HMIs, Router), die mit Standard-Anmeldedaten (admin/admin, root/root) ausgeliefert werden, müssen bei der ersten Inbetriebnahme geändert werden. Dokumentieren Sie die Anmeldedaten in einem Passwort-Tresor (Bitwarden, HashiCorp Vault).
5. Sicherung der SPS-Konfigurationen Exportieren und sichern Sie die Projekte aus TIA Portal, Unity Pro und Studio 5000 offline an einem vom OT-Netzwerk isolierten Speicherort. Im Falle einer Ransomware-Attacke muss die Wiederherstellung aus einer sauberen Sicherung innerhalb von Stunden und nicht erst nach Wochen möglich sein.
Stufe 2: Kräftigung (über einen Zeitraum von 6–12 Monaten zu planen)
6. Starke Authentifizierung bei Fernzugriffen Richten Sie ein industrielles VPN mit MFA (TOTP oder FIDO2) für alle Fernzugriffe ein – interne Techniker, Subunternehmer, Integratoren. Jede Sitzung muss zu Audit-Zwecken aufgezeichnet werden (Session Recording).
7. Überwachung des OT-Netzwerkverhaltens (NDR) Setzen Sie eine passive Überwachungssonde in Ihrem OT-Netzwerk ein, um Kommunikationsanomalien zu erkennen: neue Geräte, ungewöhnliche Modbus-Funktionscodes, Kommunikation mit unbekannten IP-Adressen, Firmware-Änderungen. Die Lösungen von Nozomi Networks, Claroty und Dragos sind marktführend.
8. Management von OT-Sicherheitslücken Abonnieren Sie die Sicherheitsbulletins Ihrer Hersteller (Siemens ProductCERT, Schneider Electric PSIRT, Rockwell Automation Security Advisories). Bewerten Sie kritische CVEs (CVSS ≥ 7,0) und planen Sie die Installation von Patches für die nächsten Wartungsfenster ein.
9. OT-Notfallplan Dokumentieren Sie den spezifischen OT-Notfallprozess: an wen ist sich zu wenden (ANSSI, falls es sich um eine NIS2-Einrichtung handelt), wie lässt sich ein kompromittiertes Segment isolieren, ohne den Betrieb zu unterbrechen, und welche Verfahren gelten für die Wiederherstellung aus Backups? Testen Sie den Plan einmal jährlich im Rahmen einer Simulation.
10. Schulung der Teams (OT Security Awareness) Automatisierungsingenieure haben in der Regel keine Schulung im Bereich Cybersicherheit erhalten. Zwei- bis vierstündige Schulungen zu spezifischen OT-Bedrohungen, Phishing, dem Umgang mit USB-Sticks und sicheren Fernzugriffen reduzieren das interne Risiko erheblich.
Wie Eziwan die OT-Sicherheitsanforderungen erfüllt
Das Eziwan-Gateway und die Eziwan-Plattform wurden von Anfang an so konzipiert, dass die OT-Sicherheit als kritische nicht-funktionale Anforderung berücksichtigt wurde.
Zero-Trust-Architektur:
- Die gesamte Kommunikation zwischen Gateway und Cloud wird mit TLS 1.3 verschlüsselt und durch gegenseitige Authentifizierung mittels X.509-Zertifikaten gesichert
- Jedes Gateway verfügt über eine werkseitig festgelegte, nicht veränderbare eindeutige Kennung (Device Identity)
- Keine offenen eingehenden Ports am Gateway: Verbindungen werden ausschließlich vom OT zur Cloud initiiert (Push-Modell)
Detaillierte Fernzugriffskontrolle:
- OpenVPN/IPSec-VPN mit obligatorischer MFA für alle Fernzugriffe
- Zeitlich begrenzte Sitzungen (konfigurierbares automatisches Ablaufen: 1 Stunde, 4 Stunden, 24 Stunden)
- Umfassendes Audit-Protokoll: Wer hat sich angemeldet, von welcher IP-Adresse aus, für wie lange, welche Aktionen wurden durchgeführt?
- Zugriff für Auftragnehmer: Einschränkung nach Quell-IP-Adresse, nach Zielgerät und nach Zeitfenster
Integrierte OT-Überwachung:
- Erkennung von Anomalien bei Modbus-Werten (Werte außerhalb des zulässigen Bereichs, statischer Wert, unterbrochene Kommunikation)
- Echtzeit-Benachrichtigungen per SMS/E-Mail bei jeder erkannten Anomalie
- Vollständiger Werteverlauf zur Nachverfolgung nach einem Vorfall
Hosting in Frankreich:
- Infrastruktur in Frankreich (AWS Paris eu-west-3), ISO 27001
- Keine Datenübermittlung außerhalb der EU
- Einhaltung der DSGVO, der NIS2-Richtlinie und der ANSSI-Anforderungen
OT-Sicherheitscheckliste 2026
Verwenden Sie diese Checkliste, um den Reifegrad Ihrer OT-Cybersicherheit zu bewerten:
Governance
- Aktuelle Bestandsaufnahme der OT-Anlagen (vollständiges Inventar)
- Formalisierte und von der Geschäftsleitung genehmigte OT-Sicherheitsrichtlinie
- Benannter OT-Cybersicherheitsbeauftragter (oder spezialisierter MSSP)
- Klassifizierung der Systeme nach Kritikalität (IEC 62443-Sicherheitsstufen)
Netzwerkarchitektur
- IT/OT-Segmentierung mit industrieller Firewall/DMZ
- Dedizierte VLANs nach Purdue-Zonen (Ebenen 0, 1, 2, 3)
- Keine OT-Geräte, die direkt über das Internet zugänglich sind
- Keine direkten Verbindungen zwischen IT-Bürocomputern und Feldsteuerungen
Zugriff und Identitäten
- Löschung der Standard-Anmeldedaten auf allen Geräten
- MFA für alle Fernzugriffe (VPN, RDP, SCADA-Web) implementiert
- Eingeschränkter Zugriff für Auftragnehmer (Dauer, Umfang, Zeitfenster)
- Archivierung des Audit-Protokolls für Fernzugriffe für mindestens 1 Jahr
Wartung und Updates
- Dokumentierter Prozess zum Management von OT-Sicherheitslücken
- Getestete Sicherungskopien der SPS-Konfigurationen, die außerhalb des Netzwerks gespeichert werden
- Planmäßiges Verfahren zur Firmware-Aktualisierung während der Wartungsfenster
Erkennung und Reaktion
- Überwachung des OT-Netzwerkverhaltens (NDR oder SIEM OT)
- Dokumentierter und getesteter Plan zur Reaktion auf OT-Vorfälle
- Verfahren zur Meldung an die ANSSI (obligatorisch für NIS2-Einrichtungen)
- Festgelegte Notfallkontakte für Cybersicherheit (internes oder externes CERT)
FAQ – OT-Cybersicherheit und Bedrohungen für die Industrie im Jahr 2026
Kann eine Ransomware, die das IT-Netzwerk befällt, auch OT-Steuerungen erreichen?
Ja, wenn die OT- und IT-Netzwerke ohne strikte Trennung miteinander verbunden sind. Genau das war der Übertragungsweg von NotPetya (2017) und zahlreicher industrieller Vorfälle seitdem. Die Ransomware verschlüsselt die IT-Server, verbreitet sich über Active Directory und Netzwerkfreigaben, und wenn sich das OT-Netzwerk im selben LAN befindet oder über dieselbe Windows-Domäne erreichbar ist, werden die SCADA-Überwachungsstationen und manchmal auch die Steuerungsgeräte infiziert.
Können Steuerungen von Siemens oder Schneider direkt mit Malware infiziert werden?
Industrielle Steuerungen „infizieren“ sich nicht im herkömmlichen Sinne (kein Standard-Dateisystem, keine Ausführung von beliebigem Code über übliche Vektoren). Sie können jedoch aus der Ferne neu programmiert werden, wenn ein Zugriff gelungen ist (siehe Stuxnet). Das eigentliche Risiko besteht häufiger in der Abschaltung oder Manipulation der Steuerungen durch einen kompromittierten Bediener oder einen unzureichend gesicherten Fernzugriff als in einer direkten Infektion der Firmware.
Welche Meldepflicht besteht gegenüber der ANSSI im Falle eines OT-Vorfalls gemäß NIS2?
Für Unternehmen, die der NIS2-Richtlinie unterliegen (kritische und wichtige Unternehmen), gilt folgende Verpflichtung: Vorabmeldung innerhalb von 24 Stunden, wenn der Vorfall voraussichtlich erhebliche Auswirkungen hat, Zwischenbericht innerhalb von 72 Stunden, Abschlussbericht innerhalb eines Monats. Die Meldung an die ANSSI kann über das dafür vorgesehene Formular auf ihrer Website erfolgen. Bei Nichteinhaltung drohen Sanktionen in Höhe von bis zu 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Umsatzes.
Sind Lösungen zur Segmentierung von OT-Netzwerken für kleine und mittlere Unternehmen sehr kostspielig?
Nein. Eine grundlegende Segmentierung (OT/IT-VLANs auf einem verwaltbaren Switch für 200–400 €, mit restriktiven Regeln zwischen den VLANs) ist für jedes kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich. Für eine höhere Sicherheitsstufe sind kompakte industrielle Firewalls (Stormshield SNi40, Fortinet FortiGate Rugged) ab 500–800 € erhältlich. Die Segmentierung bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in der OT-Cybersicherheit – sie eindämmt Vorfälle, bevor sie sich ausbreiten können.
Sollten unsichere Protokolle wie Modbus TCP im OT-Netzwerk deaktiviert werden?
Im internen OT-Netzwerk kann Modbus TCP aktiv bleiben – das Fehlen einer Authentifizierung ist in einem physisch isolierten und segmentierten Netzwerk akzeptabel. Der kritische Fehler besteht darin, den Modbus-Port (502) unkontrolliert im Internet oder im IT-Netzwerk freizugeben. Vorrangig ist es, sicherzustellen, dass kein OT-Port von außen zugänglich ist, und nicht unbedingt, Modbus kurzfristig durch ein sichereres Protokoll zu ersetzen.
Fazit
Cybersicherheit im Bereich der Betriebstechnik (OT) ist für französische Industrieunternehmen keine Option mehr. Die NIS2-Richtlinie, die Anforderungen der Norm IEC 62443 und die Realität von Sicherheitsvorfällen (Ransomware, Angriffe auf Wasserversorgungsnetze, Sabotageakte an der Energieinfrastruktur) machen den Schutz von OT-Systemen unverzichtbar.
Die gute Nachricht: Anders als viele Unternehmer glauben, muss nicht alles von Grund auf neu gestaltet werden, um deutliche Fortschritte zu erzielen. Die fünf grundlegenden Maßnahmen, die in diesem Leitfaden vorgestellt werden – Bestandsaufnahme, Segmentierung, Beseitigung unsicherer Zugriffe, Standard-Anmeldedaten und Datensicherungen – reduzieren das Risiko eines schwerwiegenden Vorfalls um 80 % – und das bei vertretbarem Aufwand und überschaubarer Komplexität.
Ihr nächster Schritt: Führen Sie ein OT-Audit Ihrer Infrastruktur durch (Eziwan bietet ein kostenloses Audit Ihrer Fernverbindungen an) und legen Sie die drei wichtigsten Maßnahmen fest, die in den nächsten 30 Tagen umgesetzt werden sollen.
Dieser Artikel wurde vom Eziwan-Team verfasst. Eziwan ist Anbieter von IIoT-Gateways und einer industriellen Überwachungsplattform für französische KMU, Kommunen und Automatisierungsintegratoren. Erfahren Sie mehr über unseren Ansatz zur OT-Sicherheit →
Weitere Ressourcen
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