Vergleich · VPN vs. Zero Trust

Herkömmliches VPN vs. Zero Trust für die Industrie — Welches soll man 2026 wählen?

IPSec-VPN und Zero Trust sind keine gleichwertigen Alternativen. Das eine ist ein verschlüsselter Tunnel, das andere eine Sicherheitsphilosophie. Den Unterschied zu verstehen, ist entscheidend für den Schutz Ihrer OT-Netzwerke.

✓ Fazit: Zero Trust wird für neue OT-Implementierungen empfohlen

Vergleichstabelle – 13 Kriterien

Klassisches IPSec/OpenVPN-VPN vs. Zero-Trust-Architektur (Eziwan)

KriteriumKlassisches VPN (IPSec/OpenVPN)Zero Trust (Eziwan)
VertrauensmodellImplizites Vertrauen in das NetzwerkNiemals vertrauen, immer überprüfen
SicherheitsbereichNetzwerkperimeter (Castle-and-Moat)Identität + Gerät + Kontext
AuthentificationVorab vereinbarter Schlüssel / ZertifikatMFA + Zertifikat + Kontext
RechteverwaltungGlobaler Zugriff auf das SubnetzMikrosegmentierung nach Ressourcen
PrüfpfadEinfache Protokolle zu Anmeldung und Abmeldung.Detaillierte Protokollierung von Aktionen
Einfache BereitstellungKomplex (Firewall, PKI, NAT-Regeln)Einfach mit modernem Gateway (ZTP)
Kompatibilität mit älteren OT-SystemenAusgezeichnet (transparent)Funktioniert gut mit Edge Enforcement
Einhaltung der NIS2-VorschriftenTeilweise mit AusgleichszahlungenNative Ausrichtung
Konformität mit IEC 62443Je nach Konfiguration möglichEmpfohlene Architektur
AnschaffungskostenHoch (Hub, Firewall)Mäßig (Cloud-Gateway)
SkalierbarkeitEingeschränkt (Konus)Horizontal, cloud-nativ
Risiko der LateralisationHoch (Zugriff auf das gesamte Netzwerk)Gering (Mikrosegmentierung)
Einführungszeit2–4 Wochen (typischer Standort)1–3 Tage (mit ZTP-Gateway)

Detaillierte Analyse

1

Das Vertrauensmodell: der grundlegende Unterschied

Das klassische VPN basiert auf einem Perimeter-Modell: Sobald der Nutzer mit dem Tunnel verbunden ist, hat er Zugriff auf das gesamte Netzwerk oder ein großes Teilnetz. Dies ist das „Castle-and-Moat“-Modell – von außen schwer zu durchdringen, aber sobald man einmal drinnen ist, sind die Bewegungen innerhalb des Netzwerks nahezu uneingeschränkt. Im OT-Kontext bedeutet dies, dass ein VPN-Techniker potenziell nicht nur auf die SPS zugreifen kann, die er warten muss, sondern auch auf SCADA-Systeme, HMIs und andere kritische Geräte. Zero Trust kehrt dieses Modell um: Keine Verbindung gilt standardmäßig als vertrauenswürdig, auch nicht aus dem internen Netzwerk heraus.

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Zugriffsverwaltung und OT-Mikrosegmentierung

Die Zero-Trust-Mikrosegmentierung ermöglicht die Festlegung präziser Richtlinien: „Techniker X darf an Werktagen von 9 bis 17 Uhr auf die SPS Y zugreifen, und zwar ausschließlich von einem zugelassenen Gerät aus.“ Ein solcher Detaillierungsgrad ist mit einem herkömmlichen VPN nicht möglich. Für OT-Umgebungen, in denen ein Cybersicherheitsvorfall physische Folgen haben kann (Produktionsausfall, Unfälle), ist diese Präzision von entscheidender Bedeutung. Eziwan setzt diese Richtlinie auf Gateway-Ebene um, und zwar transparent für industrielle Legacy-Geräte.

3

Einhaltung der Normen NIS2 und IEC 62443: ein Vorteil des Zero-Trust-Ansatzes

Die NIS2-Richtlinie verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen und wichtige Einrichtungen dazu, Maßnahmen zum Cybersicherheits-Risikomanagement einzuführen, darunter Zugangskontrolle, Protokollierung und Geschäftskontinuität. Die Norm IEC 62443 (Standard für industrielle Cybersicherheit) empfiehlt eine Segmentierung nach Zonen und Kanälen. Die Zero-Trust-Architektur entspricht von Haus aus diesen beiden Standards. Ein IPSec-VPN kann diese Anforderungen zwar erfüllen, erfordert jedoch zusätzliche Konfigurationen (externe Protokollierung, komplexe Firewall-Regeln, Zertifikatsverwaltung), die die Komplexität und das Fehlerrisiko erhöhen.

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Kompatibilität mit älteren OT-Geräten

Das ist die Schwachstelle eines herkömmlichen VPNs: Eine Siemens S7-300-Steuerung, eine Schneider Magelis-Bedienoberfläche oder ein über Modbus TCP angeschlossener Frequenzumrichter haben keine Möglichkeit, einen Zero-Trust-Agenten auszuführen. Die Eziwan-Lösung löst dieses Problem durch „Edge Enforcement“: Die Zero-Trust-Richtlinie wird auf Ebene des Netzwerk-Gateways angewendet, und die industriellen Geräte sehen lediglich ein standardmäßiges lokales Ethernet-Netzwerk. Dieser Ansatz verbindet die universelle Kompatibilität des VPN mit der Sicherheit von Zero Trust.

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Kosten und betriebliche Komplexität

Eine herkömmliche IPSec-VPN-Bereitstellung für einen Industriestandort erfordert: einen VPN-Konzentrator (Hardware oder VM), eine konfigurierte Firewall, eine PKI für die Zertifikate, eine Benutzer- und Schlüsselverwaltung sowie die Wartung dieser gesamten Infrastruktur. Eziwan macht den VPN-Konzentrator, die PKI und einen Großteil der Firewall-Konfiguration überflüssig. Dank Zero-Touch-Provisioning (ZTP) lässt sich ein neues Gateway in weniger als einer Stunde bereitstellen – im Gegensatz zu einer herkömmlichen VPN-Infrastruktur, bei der dies mehrere Tage dauert.

Wann sollte man was wählen?

Wählen Sie IPSec-VPN, wenn…
  • Sehr veraltete OT-Geräte, die nicht aktualisiert werden können
  • Bereits vorhandene und abgeschriebene VPN-Infrastruktur
  • Abgelegener Standort mit geringem Fernzugriffsaufkommen
  • Regulatorische Vorgabe, die ausdrücklich IPSec vorschreibt
  • IT-Team, das bereits über Kenntnisse in Cisco/Fortinet-VPN verfügt
Entscheiden Sie sich für Zero Trust (Eziwan), wenn…
  • Neue OT-Bereitstellung oder Greenfield-Bereitstellung
  • Erforderliche Konformität mit NIS2 / IEC 62443
  • Mehrere Techniker mit unterschiedlichen Berechtigungen
  • Mehrere Standorte, die über ein einziges Dashboard überwacht werden können
  • Gewünschte Senkung der IT-Infrastrukturkosten
  • Häufige Zugriffe (tägliche Fernwartung)

Tatsächliche Vorfälle – wie OT-VPNs kompromittiert werden

Diese dokumentierten Vorfälle verdeutlichen, warum das klassische VPN-Modell für industrielle Netzwerke nicht ausreicht

2021

Wasseraufbereitungsanlage – Oldsmar, Florida

Ein Angreifer nutzte einen TeamViewer-Zugang (eine Fernzugriffssoftware ohne MFA), um zu versuchen, den Natronlaugegehalt im Trinkwasser auf ein gefährliches Niveau zu erhöhen. Der ungesicherte Fernzugriff war der direkte Angriffsvektor.

Lektion: Ohne MFA und ohne Protokollierung der Fernzugriffe lässt sich eine legitime Verbindung nicht von einem Angriff unterscheiden.

2022

Europäischer Energieversorger – Ransomware über VPN

Die Gruppe „Industroyer2“ drang über VPN-Zugangsdaten, die bei einem Phishing-Angriff auf einen Subunternehmer gestohlen worden waren, in das OT-Netzwerk eines Energieversorgers ein. Die Folge: drei Tage Produktionsausfall, 4,2 Mio. € Verlust.

Lektion: VPN-Zugangsdaten, die mit einem Auftragnehmer geteilt werden, stellen einen Single Point of Failure dar. Ein Zero-Trust-Ansatz hätte den Zugriff auf die Netzwerkperipherie des Auftragnehmers eingeschränkt.

2023

Pharmahersteller – Falsch konfiguriertes IPsec

Eine fehlerhafte NAT-Regel auf einem IPsec-VPN-Hub hat versehentlich Siemens-SCADA-Benutzeroberflächen direkt im Internet zugänglich gemacht. Da sie von Shodan indexiert wurden, wurden sie innerhalb von weniger als 48 Stunden kompromittiert. Bei der „Outbound-Only“-Architektur von Eziwan ist kein eingehender Port geöffnet.

Lektion: Die Komplexität von IPsec/NAT-Konfigurationen führt zu menschlichen Fehlern. Der „Outbound-Only“-Modus beseitigt diese Angriffsfläche.

2024

Städtisches Wasserversorgungsnetz – Standard-Anmeldedaten

Dragos-Bericht 2024: 60 % der im Internet exponierten OT-Geräte verwendeten noch immer Standard-Anmeldedaten. Ein kommunales Wasserversorgungsnetz wurde durch einen einfachen Brute-Force-Angriff auf einen offenen VPN-Port kompromittiert – dies wurde im Rahmen eines NIS2-Konformitätsaudits festgestellt.

Lektion: Standard-Anmeldedaten bei Outbound-Only-VPNs sind die am häufigsten ausgenutzte Sicherheitslücke in der Branche. Eine Outbound-Only-Architektur macht diesen Angriffsvektor unmöglich.

Migrationsleitfaden: Von IPSec/OpenVPN-VPN zu Zero Trust in 5 Schritten

Migration ohne Betriebsunterbrechung – typische Dauer: 1 bis 3 Wochen

01

Prüfung der bestehenden Zugriffsmöglichkeiten

Listen Sie alle aktiven Fernzugriffe auf: IPSec-VPN, OpenVPN, TeamViewer, direktes RDP. Ermitteln Sie die Nutzer, die zugänglichen Geräte und die Nutzungshäufigkeit. Dauer: 1–2 Tage.

02

Parallele Bereitstellung des Eziwan-Gateways

Installieren Sie das Eziwan-Gateway im OT-Netzwerk, ohne das bestehende VPN zu verändern. Automatische ZTP-Konfiguration in weniger als einer Stunde. Beide Systeme laufen konfliktfrei nebeneinander. Dauer: 30 Minuten.

03

Erstellung von Zero-Trust-Zugriffsprofilen

Legen Sie die Richtlinien fest: Welcher Benutzer greift auf welches Gerät zu, zu welchen Zeiten und von welchen Endgeräten aus? Importieren Sie die Liste der bestehenden Benutzer, sofern verfügbar. Dauer: 1–2 Tage.

04

Schrittweise Umstellung der Nutzer

Stellen Sie die Benutzer nacheinander auf den OpenVPN-Client von Eziwan um. Das alte VPN bleibt zwei Wochen lang als Ausweichlösung aktiv. Überprüfen Sie die kritischen Zugriffe, bevor Sie das VPN abschalten. Dauer: 1–2 Wochen.

05

Sperrung eingehender Ports

Sobald alle Benutzer migriert und überprüft wurden, schließen Sie die eingehenden VPN-Ports in Ihrer Firewall. Vergewissern Sie sich mit einem externen Shodan-Scan, dass nichts mehr exponiert ist. Dauer: 30 Minuten.

Expertenanalyse

Vom Perimeter-VPN zum Zero-Trust-OT: Fernzugriff sichern, ohne den Standort zu gefährden

Ein Site-to-Site-VPN erweitert das Netzwerk und setzt Vertrauen voraus, sobald der Tunnel aufgebaut ist. Das industrielle Zero-Trust-Modell kehrt diese Logik um: kein implizites Vertrauen, identitäts- und ressourcenbasierter Zugriff, ausgehender Tunnel ohne eingehenden Port. Hier sind der normative Rahmen und die Zielarchitektur.

Anwendbare Normen & Standards

NIST SP 800-207

Referenz-Zero-Trust-Architektur: kontinuierliche Überprüfung, Prinzip der geringsten Berechtigungen, Mikrosegmentierung, Zugriffsentscheidungen auf Basis von Richtlinien und Sitzungen.

IEC 62443-3-3 / 4-2

Sicherheitsanforderungen für OT: Zonen und Kanäle, starke Authentifizierung, Datenverschlüsselung, Protokollierung – die Grundlage für den industriellen Fernzugriff.

NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555)

Schreibt für kritische Einheiten eine Zugriffsverwaltung, Rückverfolgbarkeit und Meldung von Vorfällen vor; der Fernzugriff muss durchgängig nachverfolgbar sein.

ANSSI – Leitfaden zur Sicherheit industrieller IT-Systeme

Empfiehlt die Trennung der Datenflüsse, den Verzicht auf eingehende Ports im OT-Bereich und eine strikte Trennung zwischen IT und OT über ein kontrolliertes Gateway.

IPsec (RFC 4301) / OpenVPN

Bewährte verschlüsselte Tunnel. Im Zero-Trust-Modell dienen sie als ausgehende Verbindungen zu einem Broker und nicht als permanente Netzwerkbrücken.

TLS 1.3 (RFC 8446) + mTLS

Gegenseitige Authentifizierung mittels X.509-Zertifikaten: Jedes Gerät und jeder Betreiber weist vor jedem Zugriff seine Identität nach.

Empfohlene Architektur

OT-Gateway
Tunnel (Ausfahrt)
Cloud-Broker
mTLS-Termin
Identität + MFA
pro Sitzung prüfen
Zugriff nach Ressource
geringstes Privileg
Audit
Protokoll mit Zeitstempel

Reverse-Tunnel-Modell: Das Gateway initiiert die Verbindung zum Broker (am Standort sind keine eingehenden Ports geöffnet). Der Betreiber greift nur auf die ausdrücklich autorisierten Geräte zu, und zwar für die Dauer einer protokollierten Sitzung – nicht auf das gesamte Subnetz.

Wichtige technische Parameter

KriteriumKlassisches VPNZero-Trust-OT
Eingehender Port auf dem OTHäufig erforderlichKeine (ausgehender Tunnel)
ZugangsbereichGesamtes SubnetzEinheitsressource
ConfianceImplizit nach dem TunnelWird kontinuierlich überprüft
AuthentificationGemeinsamer Schlüssel/IdentifikatorIdentität + MFA + mTLS
RückverfolgbarkeitRohdaten der NetzwerkprotokolleProtokollierung nach Sitzung/Ressource
Widerruf der ZugriffsberechtigungGesamt (Schlüssel)Detailliert, unmittelbar

Das VPN ist nicht überholt: Es wird zu einem Baustein für den verschlüsselten Datenverkehr im Rahmen einer Zero-Trust-Strategie und ist nicht mehr die Sicherheitsgrenze.

Praxiswerte aus dem Feld

Maschinenbauer – Fernwartung von 120 Anlagen bei seinen Kunden

Ersatz heterogener VPN-Clients durch einen Zero-Trust-Broker: keine Öffnung der Firewall auf Kundenseite, Zugriff pro Gerät und pro Techniker.

0
Eingehender Port bei den Kunden geöffnet
120
einzeln zugängliche Maschinen
100 %
Sitzungen mit Zeitstempel und Nachverfolgbarkeit (NIS2)
< 1 Min.
Widerruf eines Technikerzugangs
FAQ

Häufig gestellte Fragen

Steigen Sie mit Eziwan auf eine Zero-Trust-OT-Architektur um

Industrielles 4G/LTE-Gateway mit OpenVPN/IPSec-VPN ohne eingehende Ports. Bereitstellung in weniger als einer Stunde, NIS2-konform.